Der Digitale Produktpass als Instrument zur automatisierten Verpackungsdatenverwaltung

Hintergrund

Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) werden Inverkehrbringer ab 2027 verpflichtet, Verpackungsabgaben im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR-Ökomodulation) harmonisiert in allen EU-Mitgliedstaaten zu berechnen und abzuführen. Derzeit erfolgt dies nach unterschiedlichen nationalen Regelwerken — ein enormer manueller Aufwand, der bei großen Handelsunternehmen mit europaweitem Vertrieb bis zu 30 Vollzeitstellen allein für diesen Prozess binden kann.

Der Digitale Produktpass (DPP) enthält strukturierte, maschinenlesbare Produktdaten einschließlich Verpackungsmaterialien und -gewichten und gilt als vielversprechende Datengrundlage für eine weitgehend automatisierte EPR-Abwicklung. Ob und unter welchen Bedingungen er diese Funktion tatsächlich erfüllen kann, ist jedoch weder konzeptionell ausgearbeitet noch empirisch untersucht.

Untersuchungsgegenstand:

Inwieweit ist der Digitale Produktpass in seiner aktuellen Spezifikation geeignet, als regulatorische Datengrundlage für eine automatisierte EPR-Ökomodulation nach PPWR zu dienen und welche strukturellen, technischen und organisationalen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine solche Automatisierung in der Praxis funktioniert?

Praxispartner:

Als Praxispartner steht ein DPP Provider zur Verfügung, der eine Plattform für Digitale Produktpässe betreibt. Die Plattform kann im Rahmen der Arbeit als experimentelle Umgebung genutzt werden. Darüber hinaus steht der DPP Provider selbst für Interviews zur Verfügung und kann den Zugang zu relevanten Stakeholdergruppen vermitteln.

Mögliche Forschungsfragen:

  • Welche strukturellen Lücken weist die aktuelle DPP-Spezifikation im Hinblick auf die Datenanforderungen der PPWR auf, und wie gravierend sind diese für eine automatisierte Abwicklung?
  • Unter welchen Bedingungen scheitert eine DPP-gestützte Automatisierung: etwa durch mangelnde Datenqualität, fehlende Standardisierung nationaler EPR-Register oder Governance-Konflikte zwischen Akteuren?
  • Wie muss ein DPP-basiertes EPR-Datenmodell gestaltet sein, um regulatorische Änderungen absorbieren zu können?
  • Welche Akteurskonstellationen, zwischen Herstellern, nationalen Registern und Softwareanbietern, fördern oder blockieren die Automatisierung, und wie lassen sich hemmende Faktoren adressieren?

Mögliche Ergebnisse:

  • Konzept für ein DPP-basiertes EPR-Datenmodell (Felddefinitionen, Datenfluss, Validierungslogik) mit expliziter Berücksichtigung von Resilienz gegenüber regulatorischen Änderungen
  • Prototypischer Prozess-Workflow für die automatisierte Berechnung und Abführung der Ökomodulationsabgaben
  • Wirtschaftlichkeitsabschätzung: Einsparpotenzial im Vergleich zum Implementierungsaufwand, differenziert nach Automatisierungsgrad und identifizierten Risikofaktoren