Grob - Einführung in die Investitionsrechnung
Vorwort
Das Treffen langfristiger Entscheidungen gehört zu den existenzbestimmenden Aufgaben der Unternehmensführung. Die methodische Unterstützung dieser Entscheidungen ist evident. In der hier vorgelegten Einführung werden zunächst die wichtigsten formelorientierten Methoden der Investitionsrechnung dargestellt. In Konkurrenz zu diesen „Klassikern“ wird ein tabellenorientiertes Konzept präsentiert: der VOFI – ein Akronym für den Terminus technicus vollständiger Finanzplan. Die vollständige Finanzplanung wurde bereits 1962 von MATTHIAS HEISTER in die Betriebswirtschaftslehre eingeführt. Trotz kritischer Einwendungen von Vertretern der klassischen Investitionstheorie wurde das Konzept weiterentwickelt und durch Softwareunterstützung praktikabel gemacht. Der Begriff vollständige Finanzplanung führt häufig zu Missverständnissen. Das Attribut „vollständig“ assoziiert zum einen eine zeitlich totale Betrachtung der finanzwirtschaftlichen Vorgänge einer Unternehmung und zum anderen eine sachlich totale Erfassung sämtlicher monetärer Aktivitäten des Investors. Da die finanzielle Sphäre einer Unternehmung unteilbar und eine zeitlich totale Planung unrealistisch erscheint, ist eine vollständige Finanzplanung für einzelne Investitionsprojekte von vornherein undenkbar. Deshalb wird in der Literatur manchmal auch von der sog. vollständigen Finanzplanung gesprochen. Allerdings ist der Begriff vollständig anders gemeint. Während bei den klassischen Methoden der Investitionsrechnung die Finanzierung implizit Berücksichtigung findet, wird sie bei der vollständigen Finanzplanung explizit – also vollständig – modelliert. Begrifflich klarer wäre es durchaus, nicht von einer vollständigen, sondern von einer expliziten Finanzplanung – also von EXFI – zu sprechen. Doch wegen der begrifflichen Griffigkeit bleiben wir bei VOFI. Mithilfe von VOFI gelingt es, die versteckten (impliziten) Prämissen der klassischen Methoden zu explizieren. Dass die Explikationsfunktion nur ein Sekundärziel für den Einsatz von VOFI darstellt, liegt auf der Hand. Primär wird das Ziel verfolgt, VOFI zu einem Instrument des Investitionscontrollings zu gestalten, um mehrperiodige – insbesondere langfristige – Entscheidungen zu unterstützen. Zur Vermeidung eines Methodenbruchs im Investitionscontrolling wird gezeigt, dass VOFI auch für die Investitionskontrolle verwendet werden kann. In der fünften Auflage des vorliegenden Buches ist die methodische Grundlage von VOFI weiter ausgebaut worden. Außerdem wird VOFI mit Capital Asset Pricing Model (CAPM) gekoppelt. Zusätzlich werden konkurrierende Möglichkeiten zur Einbeziehung von Eigenkapitalkosten in den VOFI dargestellt. Ferner wurden Erweiterungen bei der Einbeziehung von Ertragsteuern vorgenommen. Zu welchen Ergebnissen die intensiv geführte Diskussion um die Reform der Unternehmenssteuer auch immer führen wird – mit VOFI dürften alle Neuerungen abbildbar sein. Zum Schluss dieses Vorworts noch etwas Persönliches: Wesentliche Teile
des vorliegenden Buches habe ich im Urlaub geschrieben – auf sonnigen
Terrassen in Südfrankreich und Tunesien, in einem gemütlichen Ferienhaus
in Dänemark und in einem friesisch-kühlen Domizil auf Sylt. Ich hoffe,
dass sich die gute Atmosphäre dieser schönen Arbeitsplätze in der Fallstudiengeschichte
wieder findet. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, aber auch
ein bisschen Spaß beim Durcharbeiten der Fallstudiengeschichte und bei
der Nutzung des VOFI-Portals. |
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| Münster, im August 2006 | Heinz Lothar Grob | ||



